
Weltbürger und gewählte Heimat
Der Komponist Tomasz Skweres aus Regensburg und ein verlorenes Heimatland
Maria Janitschek gelesen von Hanna aus dem via-nova-chor München: Woher
Alexander Strauch: Woher (Maria Janitschek)
Tiefblau der Himmel …
Tiefblau der Himmel,
hell glänzt der Firn,
da fällt ein Tropfen
auf meine Stirn.
Ich wend mich um
und spähe, spähe ...
nicht Wolken, nicht Menschen
in meiner Nähe.
Du schöner Himmel,
von Glanz umtoben,
sag, weinen denn
die auch dort oben?
Prägende Orte: Gedanken von Tomasz Skweres
Heimat ist ein Begriff …
Heimat ist ein Begriff, der von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich definiert und wahrgenommen wird. Wir assoziieren Heimat mit den schönsten Erinnerungen aus der Kindheit, mit all dem, was uns besonders am Herzen liegt Aber der Begriff Heimat wurde auch sehr oft im Laufe der menschlichen Geschichte missbraucht und zu Gewalttaten verwendet.
Für mich ist Heimat ein Gefühl , das ich habe, wenn ich Orte besuche, die in meinem Leben besonders prägend waren. Das ist Warschau, wo ich geboren wurde.
Das ist Wien, wo ich studiert habe und besonders viele fantastische Menschen kennen lernen durfte , die mir sehr viel geholfen haben, denen ich sehr viel verdanke. Das ist auch Regensburg, wo ich seit 13 Jahren lebe, wo ich meine Kinder großziehe und wo ich mich als Teil der Gesellschaft identifiziere .
Künstlerisch ist Heimat meiner Meinung nach für mich persönlich eine unbewusste Ästhetik. Warum empfinde ich bestimmte Intervallverbindungen in der Musik bestimmte Melodieführungen, bestimmte melodische Skalen als besonders emotionell als besonders sehnsuchtsvoll als besonders schön zum Beispiel die lüdische Skala bedeutet für mich etwas besonders schönes sehnhnsuchtsvolles, weil es aus der polnischen Folklore kommt. So ist das Gefühl der Heimat in der Kunst etwas, was unbewusst ein wichtiger Teil meiner künstlerischen Sprache ist.
Tomasz Skweres: In die Ferne (Hedwig Lachmann)
Die Mondsichel mit dem Abendstern …
An dunkler Himmelswölbung tief und fern –
Das Leben am Gestade, wo ihr treibt,
Fliesst sachter, bis nur ein Erinnern bleibt.
Seefahrer ihr, an Bord der Mitternacht,
Vor Anker nun auf eurer Wanderwacht!
Seefahrer um den Pol der Ewigkeit
Im Kreis von Dunkelheit zu Dunkelheit!
Weltbürger: Im Gespräch mit Simone
Was ist eigentlich das Heimatland?
Was ist eigentlich das Heimatland? Ist es das Land, in dem ich geboren wurde oder angenommen, ich bin ausgewandert, ist es das Land , in dem ich seit vielen Jahren oder Jahrzehnten lebe? Ich finde das sehr spannend. Ich frage mich im Bezug auf eine liebe Bekannte die ist in einem asiatischen Land geboren, das grenzt an Zentralasien und sie ist als sehr junge Frau, als Mädchen
quasi noch, nach Deutschland gekommen, hat hier die Schule beendet, hat hier studiert ein Business sich aufgebaut, eine Familie gegründet und sehr Fuß
gefasst . Und diese Bekannte wird immer wieder gefragt, wo sie eigentlich herstammt. Weil sie nicht originär Deutsch ausschaut, wie immer originär Deutsch ist und sie sagt dann, ich bin Weltenbürger. Sie hat gute Gründe, ihr
Ursprungsland nicht zu nennen und ich sehe, wie das die Menschen, die diese Antwort bekommen irritiert Ja, was ist ihre Heimat? Und immer wieder frage ich mich: Was muss eigentlich passieren, dass ein Mensch das Land, in dem er eigentlich geboren wurde, von dem er abstammt, dieses Land nicht beim Namen nennen kann?
Matthias Schaff: Findet ihr den Trost nicht in der Nähe (Jean Paul)
Findet ihr den Trost nicht in der Nähe
so erhebt euch und sucht ihn immer höher;
der Paradiesvogel flieht aus dem hohen Sturm,
der sein Gefieder packt und überwältigt,
bloß höher hinauf, wo keiner ist.
via-nova-chor München
Leitung: Kerstin Behnke
Soli:
Thomas Sweres: In die Ferne:
Simone Brückner, Mira Sabel, Holger Haushahn
Matthias Schaff: Findet ihr den Trost nicht in der Nähe
Allison Jones
Moderation: Carmen Fiedler-Stahl


