
Ein geerbtes Heimatgefühl
Der Komponist Lutz Landwehr von Pragenau aus Regensburg
Lutz Landwehr von Pragenau liest Christian Morgenstern: Nachts im Wald
Lutz Landwehr von Pragenau: Nachts im Wald (Christian Morgenstern)
Bist du nie des nachts durch Wald gegangen
Bist du nie des nachts durch Wald gegangen,
wo du deinen eignen Fuss nicht sahst?
Doch ein Wissen überwand dein Bangen:
Dich führt der Weg.
Hält dich Leid und Trübsal nie umfangen,
dass du zitterst, welchem Ziel du nahst?
Doch ein Wissen übermannt dein Bangen:
Dich führt dein Weg.
Eine entrückte Gegend: Gespräch mit Lutz Landwehr von Pragenau
Heimat bedeutet für mich zweierlei …
Heimat bedeutet für mich zweierlei, und man könnte fast sagen, ich habe zwei Heimaten, denn meine Eltern stammen aus der Bokovina. Das ist ein Landstrich außerhalb des Karpatenbogens – heute zwischen der Ukraine und Rumänien geteilt und die Familien meiner Eltern sind als deutschstämmige Siedler im 19. Jahrhundert dorthin eingewandert. Beide, mein Vater und meine Mutter sind in einer kleinen Kreisstadt Radauts geboren. Mein Vater war 1910 als die Bokovina noch zu Österreich gehörte und meine Mutter erst nach dem 1.Weltkrieg 1923 als die Südbokovina schon in Rumänien lag. Also zwei Elternteile, derselbe Ort, zwei Länder, schon das eine aufregende Geschichte und beide hatten dann ihre Kindheit und Jugend dort verbracht und gelangten erst im Laufe des 2. Weltkriegs nach Deutschland. Mein Vater sogar erst nach elf-jähriger russischer Gefangenschaft. In der Familie wurde immer viel von Heimat, die man zurückgelassen hatte, gesprochen und für mich als Kind war das merkwürdig, es war immer eine etwas entrückte Gegend, die mir ja nicht bekannt war aus eigener Erfahrung, aber sie war immer präsent durch Gespräche und Erinnerungen meiner Eltern.
Tobias Hänschke: Der Gast (Maria Janitschek)
In meiner Kammer
In meiner Kammer,
wo die Sonne es sieht,
Sitzt im weißen Kleide
mein jüngstes Lied.
Sitzt da und lächelt:
nun diene mir,
bin deshalb kommen
via-nova-chor München
so schön zu dir.
Ich aber knie
ganz stumm mich hin,
mir ist, als ob ich
im Himmel bin.
Maria Janitschek gelesen von Frank aus dem via-nova-chor München: Der Gast
„Herkunftsheimat“: Gespräch mit Lutz Landwehr von Pragenau
Ja, obwohl ich dann in Regensburg geboren wurde …
Ja, obwohl ich dann in Regensburg geboren wurde und dass die Stadt meiner Kindheit und Jugend ist und ich mich dort auch sehr wohlfühlte, war mir durch meine Eltern damit eine zweite, sagen wir „Herkunfts-Heimat“ zugewachsen und ja, in meinem späteren Leben habe ich Radauts, diesen Geburtsort meiner Eltern auch zweimal besucht, dabei aber festgestellt, dass es gar nicht die Stadt an sich oder die Bokovina irgendwie war, sondern dass ich von meinen Eltern mit diesem Heimatbegriff eine ganz allgemeine Sehnsucht nach Heimat geerbt habe und eigentlich musste ich im Laufe meines Lebens feststellen, dass meine Heimat dann auch was immaterielles, nämlich eigentlich die Musik, geworden ist und die auch so eine Welt der Vorstellung ist immaterielles und unsichtbar und zerbrechlich, dass es so vielleicht die Heimat nach der ich mich sehne, wie meine Eltern sich nach der Welt und der Heimat ihrer Kindheit und Jugend gesehen haben. So kann ich vielleicht heute sagen, die Töne, die ich schon geschrieben habe und die zu denen ich noch unterwegs bin, sind für mich das, was für mich Heimat bedeutet.
Klaus Hinrich Stahmer: Nachts im Wald (Christian Morgenstern)
Bist du nie des nachts durch Wald gegangen
Bist du nie des nachts durch Wald gegangen,
wo du deinen eignen Fuss nicht sahst?
Doch ein Wissen überwand dein Bangen:
Dich führt der Weg.
Hält dich Leid und Trübsal nie umfangen,
dass du zitterst, welchem Ziel du nahst?
Doch ein Wissen übermannt dein Bangen:
Dich führt dein Weg.
via-nova-chor München
Leitung: Kerstin Behnke
Soli:
Tobias Hänschke: Der Gast
Carmen Fiedler-Stahl, Mira Sabel
Klaus Hinrich Stahmer: Zuversicht
Carmen Fiedler-Stahl
Moderation: Carmen Fiedler-Stahl


