Heimat geben


Mit 20 Kilo Mehl nach Würzburg

Hedwig Lachmann gelesen von Katrin Klose: In die Ferne

Henrik Ajax: In die Ferne (Hedwig Lachmann)

Die Mondessichel mit dem Abendstern

An dunkler Himmelswölbung tief und fern –

Das Leben am Gestade, wo ihr treibt, 

Fliesst sachter, bis nur ein Erinnern bleibt.

Seefahrer ihr, an Bord der Mitternacht, 

Vor Anker nun auf eurer Wanderwacht!

Seefahrer um den Pol der Ewigkeit

Im Kreis von Dunkelheit zu Dunkelheit!

Komplizierter Begriff: Gespräch zwischen Paul und Heiko

Heiko, ich habe neulich nachgeschaut …

wo eigentlich das Banat liegt. Du hast so viel davon erzählt.Was verbindest du damit?

Schön, dass du fragst, das ist die Heimat meiner Eltern.Meine Eltern sind im Banat geboren und das ist früheres Landgebiet Österreich, Ungarn heutiges Landgebiet Rumänien und sie sind selber, als sie gerade Anfang 20 waren, aus ihrer Heimat dem Bat fortgegangen, um sich irgendwo anders eine neue Heimat zu schaffen.

Und ich bin in Würzburg geboren, in der Fremden Heimat meiner Eltern als so genannte Spätaussiedler waren meine Eltern die erste Generation, die diesen Schritt zurück in die Heimat ihrer Ahnen gegangen sind. Denn einige Generationen zuvor waren es Aussiedler .Und meine Großeltern sind ein paar Jahre später nachgereist.

Warum ich das erzähle für meine Eltern ist also Heimat ein doch eher komplizierter Begriff. Wo hast du deine Heimat, wenn du sie verlässt mit gerade 20? Wie schaffst du dir eine neue an einem Ort, der bislang nicht deine eigene Heimat ist aber irgendwie in der Familiengeschichte und Tradition doch Heimatverbundenheit suggeriert. Und ja, wie bekommst du es hin, wenn in der Fremde dir erst mal etwas Vertrautes zu schaffen?

Meine Eltern haben es einigermaßen gut hinbekommen.Ich möchte sogar sagen ganz gut und sie haben es vor allem geschafft , ein Elternhaus zu sein, in dem ich ganz normal und ganz ganz organisch und ganz schön eine Heimat gefunden habe.

Bei meinen Eltern ist es dennoch ein klein wenig anders sie haben nämlich ihre Ursprungsheimat, nämlich der Ort, wo sie selbst geboren waren nie ganz verlassen können.

Das bedeutet, sie sind ganz regelmäßig teilweise jährlich zurück nach Rumänien gefahren, an den Ort ihrer Geburt ,an den Ort ihrer Kindheit und da gibt es einfach ganz viele Dinge, die für sie nur dort richtig sind .

Wie dort das Gemüse schmeckt, wie dort Brot gebacken wird und…

Dazu kleine Geschichte: Mein Vater ,immer wenn er nach Rumänien fährt, lässt im Kofferraum einen nicht unbeträchtlichen Platz frei, um sich dann in Rumänien entsprechend 20 Kilo Mehl zu kaufen, dass er dann die weiten weiten 100 Kilometer zurück nach Würzburg bringt weil nur dort ist es richtig. 

Maria Janitschek gelesen von Hanna aus dem via-nova-chor München: Woher

Alexander Strauch: Woher (Maria Janitschek)

Tiefblau der Himmel, …

hell glänzt der Firn, 

da fällt ein Tropfen 

auf meine Stirn. 

Ich wend mich um,
und spähe, spähe… 

nicht Wolken, nicht Menschen 

in meiner Nähe. 

Du schöner Himmel, 

von Glanz umwoben, 

sag, weinen denn 

die auch dort oben?

Familienzweige: Gespräch auf einem Familienfest in Landshut

Ich denke, für Heimat braucht man Wissen …

und auch die Familie dazu, denke ich. Bei mir sieht es so aus, dass die beiden Familienzweige, also mütterlicherseits und väterlicherseits sehr unterschiedlich, oder sehr unterschiedlich viel Kontakt war. Und mütterlicherseits haben wir immer schon viele Familientreffen regelmäßig gehabt und uns einfach viel getroffen und auch quasi an dem Ort getroffen auch wenn jeder Onkel und jeder Tante, dann ihre eigene Heimat quasi gegründet hat. Aber so habe ich nen Bezug zu der Gegend bekommen, also in dem Fall die Nähe von Bremen und in den Norden hinein, einfach weil wir das mit der Familie gelebt haben. Und beim anderen Familienzweig, also väterlicherseits aus Straubing, da zieht es mich gar nicht so sehr hin. Und da ist auch weder die Nähe zu den Menschen noch zum Ort besonders groß.

Hubert Zaindl: Zwischen Wachen und Schlafen (Emerenz Meier)

Aus leichtem Traum war ich erwacht …

Der Mondschein blickte nieder.
Die Burschen sangen durch die Nacht
 Die alten weichen Lieder. 

Der nahe Wald barg rauschend sich
 In neblige Gewande –
Und wieder fand ich träumend mich
 Im stillen Schlummerlande. 

Emerenz Meier gelesen von Sigi Glas aus Schiefweg: Zwischen Wachen und Schlafen

Die Berge geschenkt: Gedanken von Kerstin Behnke

Ich erlebe ein Heimatgefühl tatsächlich an Orten, …

wo ich eigentlich gar nicht zu Hause bin und Orte, die gar nicht meine Heimat sind.

Und zwar erlebe ich das Gefühl, was ich ich am ehesten als Heimatgefühl bezeichnen würde, immer dann, wenn ich tatsächlich die Berge sehe oder wenn ich über die Nordsee schaue.

Und ich glaube, das hat viel damit zu tun, dass ich als Kind von Hamburg aus immer in die Berge gefahren bin, ,sowohl im Sommer als auch im Winter und viel Zeit natürlich auch an der Nordsee verbracht hab.

Und es wirklich bis heute so – obwohl ich ja jetzt sehr oft die Berge sehe – wennich sie am Horizont auftauchen sehe, immer so ein Gefühl von Heimat habe.

Ich würde das einfach als Heimatgefühl bezeichnen und es ist mir sozusagen geschenkt worden dadurch, dass ich als Kind diese Orte immer erleben durfte. 

Ines Lütge: Sie hat Rosen angezündet (Max Dauthendey)

Meine Liebste ist mit Lächeln
Durch die Dornen hingegangen, 
Und an allen wilden Dornen 
Hat ein Blühen angefangen. 
Sie hat Rosen angezündet, 
Eine blieb am Rock mir hangen, 
Und blieb dicht an meinem Herzen 
Bang rot wie der Liebsten Wangen.
via-nova-chor München
Leitung: Kerstin Behnke

Solo:

Henrik Ajax: In die Ferne
Mira Sabel