
Vertraute Stimmen in München
Mathias Rehfeldt: Ich sah einen hohen, schwarzen Wald (Emerenz Meier)
Ich sah einen hohen, schwarzen Wald
Ich sah einen hohen, schwarzen Wald,
Die Nacht darüber. – Kein Sternlein strahlt.
Durch wildgerissene Wolken nur
Dämmert des Mondes rote Spur. –
Unheimlich ist’s, so verlassen sein,
Kein‘ Heimat haben, kein Mütterlein,
Weitum im All keine Lieb‘, kein Brot –
Aus dunklem Gebüsch ragt der Tod.
Emerenz Meier gelesen von Elisabeth Fußeder: Ich sah einen hohen schwarzen Wald
Stimmen gehört: Gespräch mit den Vorstandsmitgliedern des Vereins Born in Schiefweg
Also, für mich …
… – ich habe es mir im Vorfeld schon überlegt, was ist für mich eigentlich Heimat ist. Und ich hatte jetzt vor kurzem erst einmal ein, ja, für mich ein Aha-Erlebnis würd‘ ich mal sagen, und zwar war ich nicht so weit weg in Wien und ging in ein Geschäft und habe dann plötzlich irgendwie Stimmen gehört, wo man gedacht hat, hoppala, das muss jemand von unserer Gegend sein, weil das einfach von der Stimme her, vom Lautklang und von der Sprache her absolut unsere Gegend ist. Und da habe ich mich wieder erinnert und habe mir gedacht, da kam sofort so ein Heimatgefühl auf. Und bei unserem Jubiläum haben wir ja großes Theater auch gespielt draußen und da hat die Emerenz zu mir gesagt, ich brauche meine Muttersprache wie die Luft zum Atmen.
Und das ist für mich so durch den Kopf gegangen, die Heimat ist für mich sehr viel mit Sprache verbunden, auch dass ich die Sprache wieder höre. Ich glaube, das ist der Emerenz auch oft so gegangen, dass sie dann in Amerika einfach ihre Muttersprache sehr, sehr vermisst hat.
Max Dauthendey gelesen von Paul aus dem via-nova-chor München: Amselsang
Alexander F. Hooper: Amselsang (Max Dauthendey)
Fliehende kühle von jungen syringen
Fliehende kühle von jungen syringen,
Dämmernde grotten cyanenblau,
Wasser in klingenden bogen – Wogen –
Auf fosfornen Schwingen Sehnende wogen.
Purpurne inseln in schlummernden fernen.
Silberne äste auf mondgrüner au.
Goldne lianen auf zu den sternen.
Von zitternden welten
Sinkt feuerthau.
Besser denken: Gespräch mit Charlotte
Heimat hat für mich viel mit Sprache zu tun, …
… einmal der Dialekt, ich fühle mich heimisch oder verbunden, wenn jemand mit meinem Dialekt spricht, aber auch merke ich, dass ich besser in meiner Heimatsprache denken kann. Heimat hat für mich aber auch was mit Landschaft zu tun, weil in meinem Fall Höhen, von denen man auf Weite guckt, da fühl ich mich wohl, auch wenn ich in der Ferne bin.
Klaus Hinrich Stahmer: Nachts im Wald (Christian Morgenstern)
Bist du nie des nachts durch Wald gegangen
Bist du nie des nachts durch Wald gegangen,
wo du deinen eignen Fuss nicht sahst?
Doch ein Wissen überwand dein Bangen:
Dich führt der Weg.
Hält dich Leid und Trübsal nie umfangen,
dass du zitterst, welchem Ziel du nahst?
Doch ein Wissen übermannt dein Bangen:
Dich führt dein Weg.
Straßenbahnfahrkarte: Gespräch mit Kerstin
Ich muss oft an die Geschichte meines Vaters denken, …
… der im Alter von 14 Jahren aus einem sächsischen Dorf nach Hamburg kam. Er erzählte, dass er sich nicht getraut habe, an der Straßenbahn eine Fahrkarte zu bestellen, weil alle Leute komisch geguckt und gelacht hätten, wenn er mit dem sächsischen Dialekt diese Fahrkarte kaufen wollte .
Er ist dann eine lange, lange Zeit, immer jeden Morgen eine Stunde zu Fuß zu seiner Ausbildungsstätte gegangen, nur um sich dem nicht aussetzen zu müssen. Und er hat geübt, zu Hause diesen einen Satz akzent- und dialektfrei zu sprechen.
Ich habe den Dialekt meines Vaters nie als Sächsisch gehört. Er spricht ein in Hamburg übliches Hochdeutsch. Allerdings gab es immer mal die Situation, wo wir zum Beispiel im Urlaub Leute trafen und mein Vater begann zu sprechen und jemand sagte, „Mensch, Sie sind doch aus Sachsen. Wo kommen Sie her?“
Und das war immer ein ganz seltsamer Moment, weil ich immer das Gefühl hatte, dass meinen Vater das berührt. Und zwar in dem Alter nicht mehr negativ, er musste seine Herkunft ja nicht verstecken, hatte sich aber die neue Sprache so angewöhnt – aber es war immer so ein kleiner Moment des Erkennens, der da mitspielte.
Maria Janitschek gelesen von Corinna aus dem via-nova-chor München: Woher
Alexander Strauch: Woher (Maria Janitschek)
Tiefblau der Himmel
Tiefblau der Himmel,
hell glänzt der Firn,
da fällt ein Tropfen
auf meine Stirn.
Ich wend mich um,
und spähe, spähe…
nicht Wolken, nicht Menschen
in meiner Nähe.
Du schöner Himmel,
von Glanz umwoben,
sag, weinen denn
die auch dort oben?
via-nova-chor München
Leitung: Kerstin Behnke
Solo:
Klaus Hinrich Stahmer: Zuversicht
Carmen Fiedler-Stahl
Moderation: Carmen Fiedler-Stahl


