Weihnachtskonzert
Der via-nova-chor München widmet sich in seinem Programm „Mirabile Mysterium“ mit weitem Blick dem Kernthema der Adventszeit: Das Warten auf die Ankunft eines mächtigen Erlösers. Die Wirkung von Prophezeiungen, die Hoffnung auf Rettung aus bedrängenden
Verhältnissen, aber auch der Zweifel an ihrer Erfüllung werden in den präsentierten Werken ebenso thematisiert wie die rätselhafte Erscheinungsform eines eintretenden Wunders, das die Frage nach individueller Verantwortung neu stellt.
Emil Råbergs Dubito für Chor und Akkordeon beschreibt mit minimalistisch um sich kreisenden Motiven die Unsicherheit und auch erwartungsvolle Unruhe, die im Hoffen auf Erlösung mitschwingt.
Beat Furrers Enigma vertont rätselhafte Texte Leonardo da Vincis, der philosophische Betrachtungen seiner Zeit allein durch die Verwendung des Futurs in prophetisch wirkende Zukunftsvisionen verwandelt.
Weit zuversichtlicher wirkt hingegen Johann Sebastian Bachs Motette Fürchte dich nicht, in der das in seiner Dynamik äußerst variable Akkordeon als Continuo-Instrument neue klangliche Aspekte eröffnet und dadurch interpretatorische Feinheiten hörbar macht.
Vermutlich vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges entstand der Text des Adventsliedes O Heiland, reiß die Himmel auf, das der via-nova-chor in einer Fassung von Christian Ridil singt. Zwischen den Interessen der Mächtigen aufgerieben, erscheint die menschliche Ohnmacht so groß, dass die Hoffnung allein auf einer gütigen und übergeordneten Macht ruht, die Frieden stiften und die Welt zum Guten wenden kann.
Die bereits aus vorchristlicher Zeit überlieferten Prophezeiungen der Sibyllen vertont Orlando di Lasso um 1550 in einer für seine Zeit außergewöhnlich chromatischen Tonsprache. Für den via-nova-chor komponiert Kerstin Behnke eine Fassung, die auf Grundlage dieser chromatischen Gestaltung die Prophezeiungen in unsere
Gegenwart rückt und ihnen aktuelle Fragen stellt.
Das sich anschließende weihnachtliche Wunder wird in seiner Ambivalenz und Mehrdeutigkeit von Jaakko Mäntyjärvi und Jacobus Gallus beleuchtet. Mäntyjärvis vielfarbiges O Magnum Mysterium und die groß angelegte Motette Mirabile Mysterium von Jacobus Gallus entziehen mit ihren chromatischen Fortschreitungen beim Hören immer wieder den sicheren Boden. So wird auch die Erfüllung einer rettenden Prophezeiung nicht zu einem Akt passiven Hingebens, sondern legt die Verantwortung für ihre Verwirklichung in unsere Hände.
Die musikalische Dramaturgie wird durch ein einfaches visuelles Element für das Publikum erfahrbar gemacht: Zu Beginn des Konzerts wird die Frage „WORAUF HOFFE ICH?“ gut sichtbar im Raum präsentiert. Im Verlauf des Konzerts wandelt sich diese Darstellung nahezu unmerklich zur Frage „WAS KANN ICH TUN?“. Auf diese Weise wird die inhaltliche Entwicklung des Programms – von der Hoffnung
auf Erlösung hin zur Übernahme individueller Verantwortung – auch visuell nachvollziehbar.
Mitwirkende, voraussichtlich:
- via-nova-chor München, Leitung: Kerstin Behnke
- Ingmar Rosenberg, Akkordeon
- Le Madrigal de Paris, Leitung: Pierre Carmelet

