Am schönsten?


Zwischen Heimatliebe und Gefangenensein

Emerenz Meier entflieht nach Passau

Henrik Ajax: In die Ferne (Hedwig Lachmann)

Die Mondessichel mit dem Abendstern

Die Mondessichel mit dem Abendstern
An dunkler Himmelswölbung tief und fern –
Das Leben am Gestade, wo ihr treibt,
Fliesst sachter, bis nur ein Erinnern bleibt.
Seefahrer ihr, an Bord der Mitternacht,
Vor Anker nun auf eurer Wanderwacht!
Seefahrer um den Pol der Ewigkeit
Im Kreis von Dunkelheit zu Dunkelheit!

Hedwig Lachmann gelesen von Katrin Klose: In die Ferne

Monster-Strapazen: Gespräch mit den Mitgliedern des Vereins Born in Schiefweg

Wenn man von der Heimat ausgeht, …

… wir haben in meinem Aufwachsen gleich nach den Nachkriegsjahren – da hat es ja bei uns nicht viel Arbeit geben – und da haben wir einige Pendler gehabt, die bis nach München zur Arbeit jede Woche gefahren sind. Die haben Monster-Strapazen gehabt, stundenlang unterwegs. Aber sie sind nicht ausgewandert. Sie sind zu Hause geblieben, im Dorf geblieben, in der Gegend geblieben, weil es einfach bei uns am schönsten ist.

Elisabeth Fußeder liest Emerenz Meier: Ich sah einen hohen schwarzen Wald

Elisabeth Fußeder: Ich sah einen hohen, schwarzen Wald (Emerenz Meier)

Ich sah einen hohen, schwarzen Wald

Ich sah einen hohen, schwarzen Wald,
Die Nacht darüber. – Kein Sternlein strahlt.
Durch wildgerissene Wolken nur
Dämmert des Mondes rote Spur. –
Unheimlich ist’s, so verlassen sein,
Kein‘ Heimat haben, kein Mütterlein,
Weitum im All keine Lieb‘, kein Brot –
Aus dunklem Gebüsch ragt der Tod.

Furchtbars Weiberleit: Gespräch mit den Mitgliedern des Vereins Born in Schiefweg

Die Emerenz hat natürlich das hier als Heimat gesehen, …

… aber gleichzeitig ist sie ja ausgewandert. Und ich glaube, das ist schon nicht ganz zu unterschätzen, ich glaube, sie war schon auch zerrissen. Also, so dieses … Du hast jetzt gesagt, wenn man bei diesen Veranstaltungen dabei oder bei den Ritualen, dann gehört man dazu, aber wenn jemand nicht dazu gehört, dann empfindet er sich da als anders oder als ausstehend. Und ich hab mal eine Führung gemacht und da waren zwei ältere Frauen, die da ein Klassentreffen organisiert haben, und die eine hat halt erzählt, ihr Opa hat die Emerenz noch gekannt und er gesagt, „furchtbars Weiberleit“. Und das heißt natürlich, die war anders als die anderen Frauen zu ihrer Zeit, und die hat es nicht leicht gehabt hier. Und entsprechend hat die sicher auch nicht nur nett von diesen Dorf-Leuten gesprochen. Sie hat sicher, im Dorf viele sympathisch gefunden, meistens waren das eher die Ärmeren, aber so die Großbauern, die hat sie sicher nicht sympathisch gefunden. Und die ist halt sicher auch ausgewandert, weil sie sich jetzt hier nicht unbedingt nur verwurzelt gefühlt hat, was jetzt ich ja auch kenne. Also wenn ich … wenn ich mit Menschen hader, ist es für mich am leichtesten in der Natur wieder so mich anzubinden. Weil da muss ich nicht irgendwas richtig machen, da muss ich nicht leisten, sondern da muss ich einfach bloß zuschauen und sehen, das läuft alles sein Gang. Da kann ich einfach teilhaben und muss nicht abliefern. Und das ist halt im normalen Leben ja oft so, wenn man nicht weiß, was muss ich jetzt noch machen, damit das wieder gerettet wird. Und die Natur, und ich nehme an, dass das bei der Emarenz halt auch das war. Die Natur war so hart, sie im Winter hier ist, aber sie war … ja verlässlich. Sie war verlässlich und man konnte eigentlich nichts falsch machen.

Mathias Rehfeldt: Ich sah einen hohen, schwarzen Wald (Emerenz Meier)

Ich sah einen hohen, schwarzen Wald

Ich sah einen hohen, schwarzen Wald,
Die Nacht darüber. – Kein Sternlein strahlt.
Durch wildgerissene Wolken nur
Dämmert des Mondes rote Spur. –
Unheimlich ist’s, so verlassen sein,
Kein‘ Heimat haben, kein Mütterlein,
Weitum im All keine Lieb‘, kein Brot –
Aus dunklem Gebüsch ragt der Tod.

Weltoffenes Gebiet: Gespräch mit den Mitgliedern des Vereins Born in Schiefweg

Da fällt mir jetzt auch noch kurz was ein, …

… und zwar denke ich immer, wenn ich so zurückdenke, bei mir war es nie so, dass ich in unserer Gegend, wo es immer geheißen hat, das ist am Ende der Welt, oder da, am Drei-Länder-Eck, da gibt es nichts mehr, aber ich habe nie ein Gefühl von Enge verspürt hier herinnen. Also es war immer ein offenes Gebiet für mich und wenn man, wie ich dann meine Mutter zum ersten Mal so erzählen gehört habe, auch davon vom goldenen Steig und das immer wieder da die Händler das Salz transportiert haben, da hab ich mir gedacht, ja, es war auch nie ein Gebiet, wo immer die gleichen gewohnt haben, sondern es war immer ein Durchzugsgebiet, wo sehr viele Kulturen unterschiedliche Art zusammen gekommen sind, und insofern hätte ich dieses Gebiet nie als eng gesehen.

Katrin Klose: In die Ferne (Hedwig Lachmann)

Die Mondessichel mit dem Abendstern

Die Mondessichel mit dem Abendstern
An dunkler Himmelswölbung tief und fern –
Das Leben am Gestade, wo ihr treibt,
Fliesst sachter, bis nur ein Erinnern bleibt.
Seefahrer ihr, an Bord der Mitternacht,
Vor Anker nun auf eurer Wanderwacht!
Seefahrer um den Pol der Ewigkeit
Im Kreis von Dunkelheit zu Dunkelheit!


via-nova-chor München
Leitung: Kerstin Behnke


Soli:
Henrik Ajak: In die Ferne
Mira Sabel

Elisabeth Fußeder: Ich sah einen hohen schwarzen Wald
Carmen Fiedler-Stahl, Paul Sabel, Charlotte Deppe (Sprecherin), Christoph Ciesla (Sprecher)

Katrin Klose: In die Ferne
Antonia Vogelmann, Heidrun Lipp, Christoph Ciesla, Sebastian Schüle

Moderation: Carmen Fiedler-Stahl